Akzent - Haus der Stille: Eine überfällige Infrastruktur für Düdingen
Seit 2019 liegt ein vollständiges Konzept für eine konfessionsneutrale Aufbahrungs- und Abdankungsstätte vor. Die gesellschaftlichen Entwicklungen und dokumentierten Bedürfnisse verlangen nach einer zeitnahen Umsetzung.
- Schwerpunkt
- Soziales + Zusammenhalt
- Zeitrahmen
- Personen
- Jano

Ausgangslage
Im Juli 2019 hat eine interdisziplinär zusammengesetzte Arbeitsgruppe – mit Vertretungen der römisch-katholischen Pfarrei, der reformierten Kirchgemeinde, der FEG, Konfessionslosen, Bestattern und der Gemeindeverwaltung – einen umfassenden Bericht zum Thema Aufbahrung und Abdankung vorgelegt.
Die Fakten sind eindeutig: 21% der Düdinger Bevölkerung gehörten 2019 keiner der beiden grossen Kirchen an (Tendenz stark steigend). 48.6% der Reformierten und 87% der Konfessionslosen werden nicht in der bestehenden, katholisch geprägten Totenkapelle aufgebahrt. Die vorhandene Kapazität reicht bereits heute nicht aus – Doppel- und Dreifachbelegungen sind keine Ausnahme, sondern Normalität.
Seit diesem Bericht sind fast sechs Jahre vergangen. 2024 ist der Anteil der Personen, die keiner Landeskirche angehören auf fast die Hälfte angewachsen. Das Projekt wurde depriorisiert. Währenddessen hat sich die gesellschaftliche Entwicklung weiter beschleunigt.
Warum jetzt handeln?
- Durchdachtes Konzept
- Dokumentierte Bedürfnisse
- Gesellschaftlicher Wandel
- Würde aller Einwohnenden
- Überfällige Gleichbehandlung
Die Gemeinde kümmert sich nicht bloss um das gesetzlich definierte Friedhofwesen, sondern betrachtet ein Begräbnis mit Aufbahrung, Abdankung und Bestattung als ein Ganzes. Das Konzept der breit aufgestellten Arbeitsgruppe war klar.

Generalrat
- Interdisziplinäre Arbeitsgruppe
- 11 Mitglieder
- Systematische Analyse
- 5 Sitzungen
- Nicht-Mitglied der Landeskirchen
- Jede/r Zweite
- Seit Fertigstellung des Konzepts
- 6 Jahre
Vier Argumente gegen weitere Verzögerung
Planungsreife
Das Konzept ist vollständig erarbeitet. Die Arbeitsgruppe hat 2019 einstimmig ein detailliertes Raumprogramm verabschiedet: 3 gekühlte Aufbahrungsräume, Abdankungshalle für 100 Personen, alle notwendigen Nebenräume. Der Standort beim Friedhof Chännelmatte ist definiert. Es gibt keine offenen konzeptionellen Fragen mehr.
Was fehlt, ist die politische Priorisierung.
Gesellschaftliche Entwicklung
Die Zahlen sind eindeutig: Zwischen 2013 und 2017 stieg der Anteil der Konfessionslosen um 35.7%. Die beiden Landeskirchen verlieren kontinuierlich Mitglieder. Diese Trends haben sich seit 2017 nicht umgekehrt – im Gegenteil. Mittlerweile ist die Hälfte nicht Mitglied einer Landeskirche.
In 20-30 Jahren wird Düdingen eine deutlich stärkere Gruppe von Menschen haben, die nicht den traditionellen Institutionen angehören. Die Infrastruktur, die wir heute schaffen, muss diese Realität abbilden.
Würde und Gleichbehandlung
Eine Gemeinde, die allen Einwohnerinnen und Einwohnern ermöglichen will, "von ihren verstorbenen Angehörigen auf würdige Weise Abschied zu nehmen" (Zitat aus dem Bericht), kann nicht die Hälfte ihrer Bevölkerung auf private Lösungen oder Kirchen anderer Glaubensgemeinschaften verweisen.
Die bestehende Totenkapelle ist katholisch geprägt und wird auch künftig so bleiben – das ist richtig und wird von niemandem infrage gestellt. Aber sie kann nicht die einzige gemeindeeigene Infrastruktur sein.
Zeitverlust
Der Bericht forderte eine Realisierung "in den nächsten 5 Jahren". Diese Frist ist abgelaufen. Jedes weitere Jahr bedeutet:
- Mehr Menschen, die keine angemessene Infrastruktur vorfinden
- Weiter steigende Baukosten
- Verpasste Chance, das Thema proaktiv zu gestalten statt reaktiv zu reagieren
- Signal an die Bevölkerung, dass bestimmte Bedürfnisse nicht ernst genommen werden
Das Konzept
Standort: Friedhof Chännelmatte (westliche Ecke)
Aufbahrung:
- 3 gekühlte Katafalke in separaten, geschlossenen Räumen
- Vorraum mit Sitzgelegenheiten
- Flexible Gestaltungsmöglichkeiten (religiös/säkular)
- WC-Anlagen, Umkleideraum, Lagerräume
Abdankung:
- Raum für ca. 100 Personen
- Konfessionsneutrale Gestaltung
- Technische Infrastruktur für verschiedene Zeremonien
- Stuhlmagazin, Nebenräume
Gestaltung:
- Zweistöckiges Gebäude (obere Etage Chännelmattstrasse, untere Etage Friedhofebene)
- Architektonisch schlicht und würdevoll
- Ohne fixe religiöse Elemente, aber mit Möglichkeit zur temporären Gestaltung
- Eingefügt in die Landschaft des Friedhofs
Fazit
Das "Haus der Stille" ist kein Luxus, sondern eine überfällige Infrastruktur für eine sich wandelnde Gesellschaft. Das Konzept ist pfannenfertig. Die Bedürfnisse sind dokumentiert. Die demografischen Trends sind eindeutig.
Was fehlt, ist die Entscheidung, dieses Projekt nicht länger zu verzögern. Jedes weitere Jahr Wartezeit sendet eine Botschaft an einen wachsenden Teil der Bevölkerung: Eure Bedürfnisse sind uns weniger wichtig.
Eine moderne Gemeinde sollte diese Botschaft nicht senden wollen.
Die Alternative ist keine bessere Planung, sondern die Perpetuierung eines Status quo, der schon heute ungenügend ist – und mit jedem Jahr ungenügender wird.